Fahrrad-Tour entlang der Berliner Mauer

Immer an der Mauer lang, wenn es sein muss, mit dem Fahrrad – das war im Berlin des vorigen Jahrhunderts möglich. Denn es gab eine über 3 m hohe Betonmauer, die sich über eine Länge von über 40 km durch Berlin zog und die Stadt in Ost- und West-Berlin teilte. Den Grenzstreifen mit dem Fahrrad zu erkunden, war und ist auch heute noch ein besonderes Erlebnis!

Fahrrad-Tour entlang der Berliner Mauer

So sah es bei meiner Fahrrad-Foto-Tour an der Berliner Mauer 1986 aus.  Heute ist eine geführte Mauertour entlang des ehemaligen Grenzstreifens ein ganz anderes Erlebnis!

 

Nachdem Westberlin auf Beschluss der Machthaber der damaligen DDR eingemauert worden war, konnte sich der Westberliner in seinem Berlin nicht weit verlaufen. Immer kam er irgendwann an eine Mauer. Umso kurioser, dass der eingemauerte westliche Teil der Stadt, eigentlich der „freie“ Teil war.

Die Umstände, die während der Mauerzeit mit der Ein- und Ausreise nach und aus Westberlin verbunden waren, hielten viele Menschen von einem Berlin-Besuch ab. Dies hatte den ungemeinen Vorteil, dass sich das Verkehrsaufkommen in Berlin in Grenzen hielt. Darüber freuten sich nicht zuletzt die Radfahrer, und manch einer kam so wie ich auf die Idee, einfach mal „immer an der Wand lang“ zu radeln.

Meine Fahrrad-Tour entlang der Berliner Mauer

Ich kann mich dabei noch gut an mein damaliges Projekt, die Fahrrad-Foto-Tour entlang der Berliner Mauer, erinnern. Vielleicht gerade deswegen, weil ich viele Fotos gemacht habe. Dabei hat mich damals aber nicht mehr primär das Schreckliche interessiert, das die Berliner Mauer für viele symbolisierte, sondern eher der künstlerische Aspekt und die sportliche Betätigung.

Heutzutage sind die Strecke, die ich gefahren bin, und der Grenzverlauf der Mauer kaum noch erkennbar. Von dem Ungetüm der Mauer blieben nur wenige Teile erhalten, und unsere Erinnerung an das Bauwerk hat auch schon große Lücken. Das gilt insbesondere dann, wenn wir nicht in unmittelbarer Nähe der Berliner Mauer gelebt haben oder wie ich während ihres Bestehens entlang der Berliner Mauer per Fahrrad auf Fotosafari gegangen sind. Heute bin ich froh darüber, dass ich so viele Fotos von der Berliner Mauer gemacht habe, denn dadurch kann ich mich daran erinnern, wie Berlin einmal aussah zu Mauerzeiten.

 

 

Eine Mauertour mit dem Fahrrad ist auch heute noch spannend!

Auch heute ist es noch interessant und gewinnbringend, die ehemalige innerstädtische Mauer abzugehen, oder wie ich 1986, mit dem Fahrrad abzufahren. Zu gewinnen gibt es dabei neben körperlicher Fitness eine fundierte Kenntnis der Berliner Historie. Vorausgesetzt natürlich, man begibt sich zu diesem Zweck in fachkundige Hände. Sehr zu empfehlen ist deshalb eine professionelle Führung. Was sich anbietet, ist eine geführte Mauer-Tour zu mieten, per Fahrrad oder auch zu Fuß. Denn ein erfahrener Führer macht einen auf Dinge aufmerksam, die nicht auf den ersten Blick zu sehen sind. Deshalb bringt eine geführte Mauertour einfach mehr, als wenn man so wie ich damals auf eigene Faust losfährt.

Es ist schon eigenartig, wenn man sich klarmacht, dass ein Objekt von Teilung und Trennung, das in so vielen Menschen sehr negative Emotionen erzeugt und viel Leid gebracht hat, für die jetzige Generation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen rein gar keine Bedeutung mehr hat. Vielmehr dürften die Geschichten über die Berliner Mauer bei dieser nachwachsenden Generation ähnliche Gefühle auslösen wie früher die Erzählungen unserer Väter und Onkel über den Zweiten Weltkrieg. Nämlich spätestens nach der dritten Wiederholung Desinteresse, weil die Betroffenheit durch eigene Erfahrung fehlt.

Wer sich aber aufmacht, bei einer Fahrrad-Tour die Straßen und Orte zu besuchen, an denen die Berliner Mauer stand, kann sich besser vorstellen, wie die Stadt einmal aussah und wie das Lebensgefühl ihrer Bewohner darin war.