Dschungeltour im Schöneberger Südgelände in Berlin

Es war ein schöner Sommertag auf dem Schöneberger Südgelände. In der Nacht hatte es heftig gewittert über Berlin, und die heiße, feuchte Luft vermittelte noch am Vormittag ein subtropisches Urlaubsfeeling. Auf dem Tagesplan stand ein immer wieder verschobener Besuch des Natur-Parks Südgelände. Was es dort zu erleben gab, lesen Sie hier auf ZOOM-Berlin.de!
kontrollierter Wildwuchs im Natur-Park Südgelände

kontrollierter Wildwuchs im Natur-Park Schöneberger Südgelände

Wer am Ausgang des S-Bahnhofs Priesterweg vor dem Eingang zum Schöneberger Südgelände steht, muss erst mal einen Euro Eintritt bezahlen. Doch keine Sorge, der Natur-Park ist sein Geld wert! Vielmehr handelt es sich bei diesem Park um eine jeder Berliner Sehenswürdigkeiten, die Ihnen ZOOM-Berlin.de näher bringen möchte. Denn die kleinen, ungesehenen Kleinode dieser Stadt, abseits der ausgetretenen Touristenpfade, sind die wahren Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Gleich hinter dem Eingang kann der Besucher sich entscheiden, in welcher Richtung er seine Erkundungstour beginnen möchte. Alle Richtungen sehen vielversprechend aus. Ich entscheide mich für den Weg links am Zaun entlang. Der schmale, an seinen Seiten durch hohen Bewuchs eingerahmte Weg mit Dschungelpfad-Charakter führt in den üppig wuchernden „Urwald“ hinein.

Wildwuchs sorgt für Dschungel-Feeling im Natur-Park Südgelände

Exotisch wirken vor allem die von lianenartigen Schlingpflanzen überwucherten Bäume auf dem Schöneberger Südgelände. Neben dem Wetter an diesem Tag trägt somit auch die Kulisse stark dazu bei, dass ich mich an meine Dschungel-Expeditionen in Costa Rica erinnert fühlte. Wenn jetzt noch bunte Tucans und Brüllaffen in den Bäumen zu sehen gewesen wären, wäre die Illusion perfekt gewesen. Nun gut, im Winter wird man andere Eindrücke bekommen. Aber zu der kalten Jahreszeit bietet es sich ohnehin an, auch mal eine Berliner Sehenswürdigkeit zu besuchen, in der es schön warm ist, beispielweise die Berlinische Galerie, die ebenfalls in Kreuzberg zu finden ist.
Natürlich ist das Südgelände noch kein Urwald, aber vieles, was der Mensch im Schweiße seines Angesichts hier früher angelegt und errichtet hat, wird peu à peu von der Natur zurückerobert. Die kontrollierte Verwilderung des Geländes ist Teil des Konzepts, um der dort entstandenen Artenvielfalt einerseits und dem Erholungswert des Areals für stressgeplagte Großstädter andererseits Rechnung zu tragen.

Perfekte Integration von industriellem Erbe und Natur auf dem Südgelände

Vorbildlich gelungen ist meiner Meinung nach die Integration des ehemaligen Bahngeländes in einen kreativ und abwechslungsreich gestalteten Erholungs-, Wissens-, Kunst- und Naturparcours. Damit steht das Schöneberger Südgelände nicht alleine da unter den Berliner Sehenswürdigkeiten, die Beton und Kunst in gelungener Weise verbinden. Auch die Berliner Poller sind ein Beispiel dafür, wie die Menschen in dieser Stadt ihre Umgebung aktiv gestalten. Mit viel Liebe sind die noch erhaltenen Teile soweit restauriert und einfügt und mitunter neuer Nutzung zugeführt worden, wie die ehemaligen Eisenbahngleise. In vielen Bereichen des Parks dienen die Gleise als Wege. Sie wurden mit verschiedenen Materialien wie Rindenmulch oder Steinen aufgefüllt, die das Wasser schnell ablaufen lassen.
Beeindruckend fand ich, wie viele Bäume sich schon in den Gleisbetten angesiedelt haben und wie groß sie schon sind.
An einigen Stellen wurden auch kleine Aussichtsplattformen, kleine Türme und Laufgitter angebracht. So bietet sich gelegentlich die Möglichkeit, von einer erhöhten Position aus auf das Gelände zu schauen und auch darüber zu laufen. Wer einmal eine Canopy Tour in den Tropen mitgemacht hat, fühlt sich vielleicht daran erinnert. Mir kamen jedenfalls die Bilder von einer Baumwipfeltour in Costa Rica in den Sinn.

Diejenigen Besucher des Südgeländes Berlin, denen auch Erklärungen über die Flora und Fauna wichtig sind, finden an verschiedenen Stellen des Parks Schautafeln mit Informationen in Wort und Bild über besondere Pflanzen und Vögel, die auf dem Gelände leben. Neben den Wildtieren war auch noch eine kleine Schafherde bei ihrer Mahlzeit zu beobachten, vielleicht ein Versuch, die Wiese ökologisch zu mähen.

Natur auf dem Südgelände

Natur auf dem Südgelände

Routen und Wege auf dem Schöneberger Südgelände

Nochmals zurück zur Route: Wenn Sie den linken Weg vom Eingang nehmen, gelangen Sie bald an  durch Graffiti verschönerte hohe Mauern links und rechts des Weges, die alsbald in einen ziemlich langen Tunnel münden und sich dann auf der anderen Seite fortsetzen. Danach wird der Weg bis zum nördlichen Zugang nur noch von kleinen abgehenden Wegen oder mit Bänken versehenen Nischen unterbrochen. Nicht alle Wege des Südgeländes habe ich bei meinem ersten Besuch erkundet, die restlichen hebe ich mir für eine zweite Erkundungstour auf.

Am Nordende kann der Besucher den eingezäunten Naturpark Südgelände verlassen und nach dem Überqueren der noch intakten Bahnanlage in wenigen Minuten den Bahnhof Südkreuz erreichen.

Vom Südkreuz zum Schöneberger Südgelände

Vom Südkreuz zum Schöneberger Südgelände

Wer von Norden kommt, kann die Strecke nach Süden auf einem als Weg angelegten ehemaligen Gleis beginnen.
Einem Hinweisschild folgend, gelangte ich zur gut erhaltenen Drehscheibe, die auf dem ehemaligen Bahngelände für die Verteilung der Loks auf verschiedene Gleise genutzt wurde. Einer der Wege, die von der Drehscheibe abgehen, wird durch den Reparaturlaufgraben der ehemaligen Anlage geführt, auch eine ganz witzige Idee und ein Zeichen dafür, dass die Menschen, die diese Anlage angelegt haben, sehr originelle Einfälle hatten.

Kunst und Kulinarisches auf dem Schöneberger Südgelände

Gehen Sie weiter nach Süden, gelangen Sie zu einem sehr gut erhaltenen Gebäudekomplex, in dem sich vermutlich der Bereich für Reparatur und Ausbesserung befand. In einem Innenhof haben Künstler aus Bahnschrott oder vielleicht einfach auf dem Gelände vorhandenen Material mit viel Kreativität verschiedene Kunstwerke erschaffen. Der Innenhof des Gebäudeensembles dient nun als Open-Air-Galerie und Ausstellungsraum.

Hier findet sich auch eine Einrichtung für die Befriedigung mehr die leiblicher Bedürfnisse. Es gibt eine Bewirtschaftung, man kann essen und trinken und draußen sitzen. Viele Familien mit Kindern genossen dort den schönen Sommertag.

Von hier aus ging ich wieder etwas in Richtung Norden. Alsbald leuchtete mir in Rot und Schwarz eine riesige Lokomotive aus dem Unterholz entgegen. Eine schön restaurierte alte Lok, bestimmt eine Augenweide für Dampflok-Enthusiasten, hat hier ein ruhiges Plätzchen im Grünen gefunden.

Dampflokomotive der Baureihe 50 im Unterholz

Dampflokomotive der Baureihe 50 im Unterholz

Wer den Weg wieder zurück geht, kommt an den Reparaturgebäuden mit dem großen Wasserturm davor vorbei und kann nach dem Durchqueren der Viadukte rechts am S-Bahnhof Priesterweg das Südgelände wieder verlassen. Wer sich dagegen etwas links hält, gelangt auf dem Weg noch weiter bis zum Eingang an der Arnulfstraße.
Ich habe an diesem Tag auf dem Parkgelände eine Strecke von ca. 5 km zurückgelegt und dabei noch einige Wege für den nächsten Besuch in Reserve gelassen.

riesige Wandbemalung auf dem Schöneberger Südgelände

Lage und Anfahrt:

Der Natur-Park „Schöneberger Südgelände“ liegt im Bezirk Schöneberg-Tempelhof zwischen Sachsendamm und Insulaner/Prellerweg.

Der Park hat drei Eingänge, die mit Kartenautomaten versehen sind. Der Eintritt beträgt 1 Euro.

  • Der Haupteingang ist direkt über den Eingang zum S-Bahnhof Priesterweg zu erreichen. Hier verkehren die S-Bahnlinien S2, S25 und die Buslinien 170, 246, M76, X76. In der Nähe des Eingangs ist auch ein kleiner Parkplatz.
  • Der Nördliche Eingang ist über eine Fußgängerbrücke erreichbar, die wiederum über einen Gehweg vom Sachsendamm oder über die Mathäi-Kirch-Straße zugänglich ist. Dorthin gelangen Sie über den S-Bahn-Ring-Bahnhof Südkreuz und die Buslinien 248, M46, 106, 184.
  • Den dritten Einfang finden Sie im Süden am Prellerweg. Hier halten die Buslinien 170, 246, M76, X76.

So und jetzt nix wie raus zum Südgelände, die Badehose müssen Sie aber nicht einpacken!